Von Mirko Blahak Sport-Redakteur, Trierischer Volksfreund 8.12.2025
Unter 40 Toren pro Spiel machen es die Herren des Vereins in dieser Saison nicht so oft. Die Offensivpower beschert der Mannschaft bei nur einem Unentschieden eine fast makellose Hinrundenbilanz in der Oberliga. Kann’s also was werden mit dem nächsten Aufstieg und wie geht es weiter mit dem Top-Torschützen Kai Lißmann und Trainer-Routinier Igor Domaschenko?

Einzigartig ist immer wieder das Spektakel, das die Mannschaft bietet. Wer zu Spielen der Wittlicher geht, kann sich eines sicher sein: Es gibt Tore satt zu sehen. In fünf von 12 Partien hat die HSG mindestens 40 Treffer erzielt. Einmal waren es sogar 50! Lediglich beim 28:23 in Daun stand Wittlich auf der Bremse. Im Schnitt kommt das Team auf 39 Treffer pro Partie.
Die andere Seite der Medaille: Wittlich kassiert für einen Spitzenreiter viele Gegentore. Im Schnitt fast 30. „Diese Zahl ist nicht so ideal, mit ihr bin ich nicht zufrieden. Aber sie ist das Resultat unserer Spielweise, die auf schnellem Handball fußt. Da ist immer ein gewisses Risiko mit dabei. Als Trainer lasse ich lieber aus einer organisierten Abwehr herausspielen. Aber wir orientieren uns daran, was am besten zu den Spielern passt. Unser Auftreten verspricht mehr Spaß, mehr Action, mehr Tore“, sagt Trainer Domaschenko, der mit dem bisher Erreichten vollauf einverstanden ist.
„Der Kuchen ist noch nicht gegessen“, sieht Domaschenko bei 3 Punkten Vorsprung vor dem Tabellenzweiten HC Koblenz keineswegs eine Vorentscheidung im Meisterschaftsrennen. Auch Michael Bollig, als sporttechnischer Leiter im HSG-Vorstand zuständig für die Männer, will keinen Druck aufbauen: „Eine Teilnahme an der Aufstiegsrelegation ist kein Muss. Man darf nicht vergessen: Wir sind erst im zweiten Oberliga-Jahr nach unserem Aufstieg.“
In den vergangenen Jahren seit Ende der Corona-Pandemie geht es bei den HSG-Herren stetig bergauf. Die Saison 2021/22 beendete Wittlich als Mittelfeld-Team in der Verbandsliga. Danach robbte sich die Mannschaft nach oben. Nach dem Aufstieg in die Oberliga 2024 gelang in der vergangenen Saison dort direkt die Vizemeisterschaft.
„Wir wollen von Jahr zu Jahr die Qualität im Kader sukzessive erhöhen, aber nicht mit einer Vielzahl externer Spieler. Wir versuchen weiterhin, einen Kader mit „Wittlicher Gesicht“ zu formen, indem wir die talentiertesten Nachwuchsspieler aus den eigenen Reihen bei den Herren integrieren. Das ist uns wichtig“, sagt Bollig. Punktuell darf es darüber hinaus aber auch gerne ein externer Unterschiedspieler sein. Als solcher soll sich im Bestfall der Luxemburger Max Steichen erweisen, den die Wittlicher kürzlich für die kommende Saison aus Düdelingen verpflichtet haben (wir berichteten hier).
Um in die Regionalliga aufzusteigen, muss der Oberliga-Rheinland-Meister durch eine Relegation mit den Titelträgern des Saarlands sowie aus der Pfalz und Rheinhessen. In den vergangenen beiden Jahren ist die HSG Hunsrück jeweils gescheitert. Die Relegation – für die Rheinland-Vertreter eine unüberwindbare Hürde? „Soweit würde ich nicht gehen“, sagt Bollig: „Natürlich haben etwa die Teams aus Rheinhessen und der Pfalz andere Möglichkeiten, aber unmöglich wäre es nicht, sich durchzusetzen.“ Domaschenko verweist auf enge Testspiel-Resultate gegen Regionalligisten im Sommer, die ihn zu einem ähnlichen Schluss kommen lassen: Schwer würde es allemal, aber beim Abrufen von Bestleistungen wäre ein Aufstieg durchaus machbar.
Fotos: Thomas Prenosil
Unabhängig vom weiteren sportlichen Verlauf laufen bei der HSG Wittlich die Personalplanungen. „Wir sind in Gesprächen“, sagt Bollig. Spannend ist dabei die Frage, ob die HSG weiter auf die Dienste ihres Top-Torschützen Kai Lißmann setzen kann, der (auch) in dieser Saison für rund ein Viertel aller HSG-Treffer verantwortlich ist. Bollig: „Einen Spieler mit seinen Qualitäten zu halten, ist keine einfache Aufgabe. Da klopfen auch andere Vereine an.“ Und wie sieht’s mit Trainer-Routinier Domaschenko aus? „Sollte der Kader, so wie er jetzt ist, zusammenbleiben, würde ich gerne weitermachen“, sagt der ehemalige russische Nationalspieler. „Wir werden auch mit ihm die Zukunft sondieren“, erläutert Bollig.


